Tiergestützte Pädagogik an der Fachschule

Text und Fotografie: Jutta Frank

Seit dem Jahr 2016 wird an der Fachschule für Sozialwesen mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik die pädagogische Arbeit mit Tieren angeboten. In diesem Zusammenhang bieten sich den angehenden Erzieher:innen die Möglichkeit im Rahmen des Unterrichtes Wahl- und Regelunterrichtes Elemente der tiergestützten Pädagogik erlebnisorientiert kennen zu lernen. Neben Projekten mit tiergestützt arbeitenden Kooperationspartern wie dem Vivarium Darmstadt, der Kinder- und Jugendfarm oder der Indian Sky Ranch in Weiterstadt, iniitieren wir unterschiedlich Projekte, bei denen Tiere vor Ort eingesetzt werden können. Ein, wie wir finden, Lern- und Bildungserlebnis, das nicht nur Spaß macht, sondern auch einen umfassenden Einblick in die tiergestützte Arbeit ermöglicht.

Lesen Sie hierzu den Artikel im Darmstädter Echo

Tiere in der Pädagogik – was steckt dahinter

Es ist noch nicht so lange her, dass uns Tiere im Leben ganz selbstverständlich zur Seite standen. Sie halfen uns bei der Arbeit, bewachten und beschützen uns oder brachten uns von A nach B.Dieser natürliche Umgang mit Tieren, der über viele Jahrhunderte auch unser eigenes Verhalten beeinflusste, spielt in unserem Lebensalltag kaum noch eine Rolle. In der westlichen Lebenswelt haben immer weniger Kindern die Möglichkeit mit einem eigenen Haustier aufzuwachsen, obwohl der Wunsch danach oft sehr groß ist. Tierkontakte erfolgen meist als kurzfristiger Event und sind an spezielle Begegnungsstätten für Mensch und Tier gebunden. Eine verbindliche Beziehung – sprichwörtlich eine Bindung – aufzubauen, an der man wachsen kann, funktioniert aber nur durch einen kontinuierlichen, intensiven Kontakt. Daher sind immer mehr Pädagogen auf der Suche nach einer Möglichkeit, Tiere in ihren pädagogischen Alltag zu integrieren: Als Seelentröster, Sprachtrainer, Bewegungsanimateur, Coach… und vieles mehr.

Aktuelle Studienergebnisse u.a. der Universität in Rostock belegen, dass es sich Tiere als Partner in der Pädagogik und Therapie bewährt haben. Durch das Unterrichtsfach „Tiergestützte Interventionen in der sozialen Arbeit“ wollen wir interessierten Studierenden der Fachschule für Sozialwesen die Möglichkeit bieten, erste Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln um sich, ggfl. durch entsprechende weiterführende Zusatzqualifikationen, eine selbsterfüllende Berufsperspektive aufbauen zu können.

Integration in den Regelunterricht

Unterrichtet wird das Fach durch eine entsprechend ausgebildete Lehrkraft. Zusätzlich werden im dem der Alice-Eleonoren-Schule zugeordneten Weiterbildungsinstitut BIKOM e.V. fachspezifische Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten, die neben ErzieherInnen und HeilerziehungspflegerInnen im Anerkennungsjahr, auch von externen pädagogischen Fachkräften besucht werden.

Im Ersten Ausbildungsabschnitt werden Tierbegegnungen bildungsbereichsübergreifend  angeboten. Hier spielen neben der Integration eines Schulhundes auch Nutz- und Haustieren eine große Rolle. Im Bereich des Regelunterrichts nimmt die ebenfalls ausgebildete Schulhündin an naturpädagogischen Ausflügen teil und aktiviert durch ihre ausdauernde Freude die Motivation und Spielfreude bei verschiedenen Gruppenaktionen.

Sie zeigt sich aber auch sonst in vieler Hinsicht sensibel und zeigt uns an, wenn etwas „Zuviel“ ist oder die Situation etwas anderes braucht.

Im Wahlfach „Tiergestützte Pädagogik“ werden die Tierbegegnungen intensiviert. Wie hier, bei der Aktion „We rent a Huhn“. Für zwei Wochen wohnten fünf quirlige Hühner rund um die Uhr im Schulgarten der Fachschule und wurden von rund 20 Studierenden gehegt und gepflegt. Zum Dank wurden fleißig Eier gelegt, die dann – zu leckeren Kuchen verarbeitet und verkauft- für die Finanzierung des Projektes sorgten.

Medien-Projektarbeit im Rahmen der Tiergestützten Interventionen

In dem zweiten Aufbildungsabschnitt geht der Tier-Mensch-Kontakt an der Fachschule einen weiteren Schritt. In Kooperation mit dem Vivarium Darmstadt als außerschulischem Lernort, können Studierende das Fach „Tiergestützte Interventionen in der sozialen Arbeit“ als Projektfach wählen.

Neben eigenem Erfahren in Praxis und Theorie lernen die Studierenden dabei Angebote oder Projekte mit tiergestützten Inhalten zielgruppenorientiert zu planen und in der pädagogischen Praxis umzusetzen.

Tiergestützte Begleitung von Reflexionsprozessen in Einzelsettings und in Teams

Die Studierenden der Fachschule haben nicht nur die Aufgabe die Subjektivität der eigenen Wahrnehmung im Spannungsfeld von Selbst- und Fremdwahrnehmung zu reflektieren sondern ihr berufliches Handeln durch die Auseinandersetzung Teamprozessen zu professionalisieren.
Studieren, die sich auf ein Praktikum in einer sozialpädagogischen Einrichtung vorbereiten, setzen sich beispielsweise auch mit ihrer Funktion als Leiterin oder Leiter einer (Kinder-)Gruppe auseinander.
Dabei geht es darum, die Balance zwischen Mitgehen (Pacing oder „Einer Initiative zu folgen“ )und Führen (Leading – „Die Initiative ergreifen“) bewusst zu gestalten. Beispielsweise muss gruppendynamisch zwischen Offenheit und Struktur, Verbindlichkeit und Autonomie verhandelt werden.

Für ein Studierenden-Team, das sich auf die Durchführung eines Projektes mit Kindern vorbereitet, ist es daher hilfreich sich darüber auszutauschen, welches Bild vom Mitgehen und Führen jeweils vorliegt, um dann gemeinsam in der Praxis an einem Strang zu ziehen. Die folgenden Bilder zeigen eine pferdegestützte Einheit zu diesem Thema.

Wer übernimmt die Führung?

Autorin: Jutta Frank
Tiergestützte Fachkraft
Tiergestützter Systemischer Coach
LK Alice-Eleonoren-Schule


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